In den letzten Ferien hatte ich endlich mal wieder viel Zeit für meine Lieblingszeitschrift. Ich konnte die Ausgabe 142 von Wohnung + Gesundheit (WG) ganz lesen! Mit Interesse habe ich beispielsweise den engagierten Bericht über den Europäischen Solarpreis studiert. Hilfreich fand ich „Internet aus der Steckdose“. Wie schön Bienen bauen weiß ich jetzt auch.
Nur bei dem Artikel „Die Stadt von morgen“ von Sabine Wenzel habe ich mich wirklich gefragt, ob er nicht nur billige PR einer Versicherung ist. Zumindest steht nichts, aber auch gar nichts Neues für Leser von WG auf den beiden Seiten. Also vielleicht Bekanntes, eingängig formuliert? Fehlanzeige. Prof. Albert Speer beispielsweise fordert Bürgerbeteiligungsverfahren. (Er, der an anderer Stelle die Pläne seines Vaters für eine „Welthauptstadt Germania“ auf den Trümmern von Berliner nur „abstrus“ nennt.) Wahrscheinlich hat er dabei kräftig auf den Tisch gehauen, dass alle versicherten Herren zusammengezuckt sind und sich ihre Krawatte zurechtgerückt haben. Von wem er das fordert beantwortet der Artikel nicht. Vielleicht von den Frankfurtern, denen er ein neues Europaviertel mit 60 m breitem Boulevard und stadthöchstem Wolkenkratzer hinstellte? Auf dem Areal des ehemaligen Güter- und Rangierbahnhofs entstanden nahzu 2 Mio. qm Geschossfläche mit Wohnnutzungen und Dienstleistungen. Die angrenzende Messe nutzt die Gelegenheit zur Erweiterung und Neuordnung des Messeareals. Wieviele Bürger wollten das? Erhellend in diesem Zusammenhang das Fazit der Autorin: „Wir haben kein Ressourcenproblem, sondern ein Verteilungsproblem.“ Oh nein – die Welt hat sowohl als auch.
Herr Speer löst weder noch!

Vision oder Utopie, Traum oder Ideal?
Auch die Ausgabe 140 war gut. Neben den Farbspektren verschiedener Lichtquellen ging mir so manches Licht auf. Ein Artikel hat mich wiederholt zum Nachdenken gebracht. Gleich die Überschrift „Eine Vision“. Ich fragte mich, wessen Vision die Autorin meinte? Nach einer viel versprechenden Zusammenfassung schien der Text ein politisierender Erfahrungsbericht zu werden. Er rügte zu recht: „Dabei geht es um Recht haben – statt um Handeln.“ Dann ein Zitat von Jean Cocteau, der die gedankliche Freiheit der Kinder lobt. War der immer Suchende nicht auch der Gestalter einer Wandmalerei in einer wunderbaren Kapelle bei Paris? Die Autorin wurde mir sympathisch. Gerne bin ich ihrem Gedanken gefolgt, mir bei einer spontanen Entscheidung mehr Zeit zu lassen, als bisher. Fast zwei Minuten räume uns die aktuelle Wissenschaft ein, belegte die Autorin.
Aber dann dieser Satz: „Wir brauchen eine Utopie.“ Wer war jetzt wir? Brauche ich eine Vision, fragte ich mich? Und begann sofort eine kleine Umfrage unter meinen Mitfahrern in der Bahn. Ein aufgeweckter Rapper stimmte zu, eine junge Dame – den Neon weglegend – überlegte und meinte nein, sie bräuchte einen Traum. Ich persönlich reibe mich gerne an Utopien, sagte ich. Ruckzuck waren wir in einer angeregten Diskussion.
Danke, liebe Anke Plehn.

Kurt de Kleine