2012 jährt sich der Geburtstag von Antoni Gaudi zum 160ten Mal. Von seinem letzten Werk, der geplanten Kirche in der Colonia Güell (1908–1916) in Santa Coloma de Cervelló nahe Barcelonas, stellte er nur das Unterschiff – im Volksmund die Krypta – fertig. Doch wie er in diesem Fragment die Baumaterialien läutert ist vollendet, einzigartig und damals mehr als innovativ: im kirchlichen Kontext mit einfachen Materialien, ja mit Abfall zu bauen, mag viele befremdet haben. Für die Außenmauern recycelt Gaudi Schlacke, im Innern setzt er rohe Baustoffe ein: kaum behauene Bruchsteine, gebrochene Backsteine, ein einfacher Estrich für den Boden und an wenigen ausgesuchten Stellen weißer Putz. Dabei tragen die Materialien hocheffizient. Die Statik ist organisch optimiert: die schlanken Stützen stehen im Kraftfluss, die Hüllflächen stabilisieren sich durch Wellenformen.

Meister der Farben

Neben all dem ist Gaudi ein Meister der Farben! Die Glasfenster der Krypta leuchten aus den rohen Baustoffen heraus. Die Ränder der Fenster sind außen gefasst mit funkelnden Scherben. Fische, Leguane, Vögel beleben die Schwarz/Rostbraun gemusterten, Schlackewände sparsam. Das Unterschiff ist intimer, nachvollziehbarer und maßvoller gestaltet, als die überbordende Sagrada Familia (1883–1926). Bei ihr birst der Stein in mathematischen Formen und strahlenden Spitzen und öffnet sich zum Himmel.

In der Casa Batlló (1904–1906) beginnt die Fassade aus recycelten Kacheln zu schillern. Die Splitter sind in monochromen Wolken geordnet, von kleinen Vignetten zusammengehalten auf denen die Farbtöne zusammenfinden.
Fragen, denen man nachgehen könnte: Wo ist Gaudis Handwerklichkeit angemessen, seine Gestaltung wirklich zukunftsfähig?
Antworten gibt vielleicht auch das Buch der Handwerksforscherin Dr. Christine Ax: „Die Könnensgesellschaft. Mit guter Arbeit aus der Krise“

Informationen:
- Ein kurzer und vollständiger Überblick bei Wikipedia
- Originalbilder und Details der Entstehung – z.B. dass Gaudi die Kirche neu plante, um eine Pinie zu erhalten
- Ausstellung eines Modells der gesamten Kirche

- aufwendige Visualisierung
- wichtig: Öffnungszeiten, Anfahrt, …

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