Link auf Picasa Webalbum Bunt wie die Luftballons auf einem Kindergeburtstag leuchten die Plastiken von Niki de Saint Phalle im „Guardinio dei Tarocchi“ im toskanischen Capalbio, südlich von Grosetto. 22 überlebensgroße, märchenhafte Figuren stehen dort zwischen alten Korkeichen und Olivenbäumen. Inspiriert von Antoni Gaudi und seinem Park Guell in Barcelona, hat die Künstlerin ihren persönlichen „Garten der Freude“ geschaffen.

Im Park blitzen kräftige Farben zwischen den gedeckten Grün- und Brauntönen der Natur hervor und locken die Besucher näher. Nicht nur, dass sie auf hübsch gesäumten Gartenwegen an den leuchtenden Farbskulpturen vorbei flanieren können. Viele der Skulpturen sind zu betreten – ebenso wie die berühmten Nanas der Künstlerin. Organisch gerundet öffnen die farbintensiven Objekte unerwartet ihr meist ebenso buntes Inneres. Dort kann man entweder ganz in Farbe eintauchen oder die Welt und sich selbst in tausend Facetten gespiegelt sehen. Die Mosaike auf den Oberflächen bestehen aus farbigem Spiegelglas, aus eigens hergestellten Kacheln oder einmalig leuchtendem Muranoglas. Geschützt durch eine gläserne Schicht strahlen die Farben in der italienischen Sonne.

Das keramische Rohmaterial der Kacheln wurde meist direkt auf den Skulpturen in Form gebracht, phantasiereich bemalt, wieder abgenommen, glasiert und gebrannt. Da die tönernen Kacheln beim Brennen etwas schrumpfen, entstanden Zwischenräume, die mit von Hand geschnittenem farbigen Glas oder Spiegeln ausgefüllt wurden. Das Ergebnis ist ein abwechslungsreiches, rhythmisches Spiel von größeren Farbflächen, voneinander abgegrenzt durch andersfarbige Linien. Die Mosaike aus Spiegeln und aus dem farbintensiven Muranoglas wurden zugeschnitten und auf die Oberfläche geklebt. Im Innenraum wirkt das Spiegelglas besonders fantastisch. Dort reflektiert es alles bis in die Unendlichkeit.

Niki de Saint Phalle fertigte Modelle der Skulpturen, die dann vor Ort umgesetzt wurden. Ihr zweiter Ehemann Jean Tinguely, der Schweizer Künstler, der aus Schrott kinetische Objekte baute, arbeitete dabei mit Augenmaß – eine große künstlerische Leistung. Mit Helfern schweißte er die Unterkonstruktion aus Stahl zusammen, bevor sie mit Maschendraht überzogen wurde. Der Draht wurde mit Spritzbeton bedeckt, der dann farbig belegt wurde.

Die Skulpturen thematisieren die wichtigsten Tarot-Karten: den „Magier“, die „Hohepristerin“, den „Turm“, den „Teufel“ bis hin zur „Liebe“. Der zentrale Platz des Parks liegt vor der „Hohepristerin“, aus deren Mund Wasser in Kaskaden über blaue Stufen fließt und sich in einem großen Becken sammelt. Dort steht eine kinetische Stahlskulptur von Tinguely, die Wasser in die Luft sprüht. Manchmal malen die Sonnenstrahlen einen kleinen Regenbogen über die Wasserfläche. Auf der „Hohepristerin“ thront der „Magier“, ein silbern verspiegelter Kopf, gekrönt von einer großen Hand. Sie ist auf das wenige Kilometer entfernte Kohlekraftwerk gerichtet, das ursprünglich als Atomkraftwerk geplant gewesen war. Niki de Saint Phalle hatte die Proteste mit ihrer Figur unterstützt.

In der in Sphinx-Gestalt ausgeführten Figur der „Herrscherin” lebte die Künstlerin selbst Jahre lang, wenn sie auf der Baustelle war. Ihr Inneres ist eine Höhle, ganz mit Spiegeln ausgekleidet: der große Wohnraum, ebenso wie die Küche, das Schlafzimmer und selbst das Badezimmer. Die Dusche dort hat die Form einer Schlange und glitzert blau. Sogar der Esstisch ist von Mosaiken bedeckt. Von der Dachterrasse geht der Blick über die toskanische Landschaft bis zum Mittelmeer. Die organisch durchlöcherten Wände der Terrasse sind von einem metallisch-blauem Mosaik überzogen, in dem Sterne und Planeten aufblitzen.

Der Tarotgarten ist „ein kleines Stück vom Paradies. Ein Treffpunkt zwischen Mensch und Natur“, sagt die Künstlerin. 1979 begann sie mit dem Bau. Es sollte ein langes Projekt werden, bei dem viele mithalfen. Erst 1998, vier Jahre vor ihrem Tod wurde der Skulpturengarten für die Öffentlichkeit freigegeben. Durch eine große, kreisrunde Öffnung in einer Mauer aus Tuffstein betritt man ihn. Der Schweizer Architekt Mario Botta entwarf dieses Eingangsgebäude, das e die Symbolik des Park auf architektonische Weise aufgreift.

Bilder und Informationen zum Garten

2 Antworten to “„Garten des Tarot“ von Niki de Saint Phalle”

  1. Achim Pilz sagt:

    Ihr fleißigen Postmaschinen – sag doch mal eineR was zu Nikis Zyklopen!

    farbenfrohe Grüße
    Achim Pilz

  2. Bausatz sagt:

    schön und komisch ist das schon! Da lesen hunderte diesen Artikel und keiner schreibt seine Erfahrungen auf. Dabei ist der Magier nicht so bedeutend für das Projekt, als vielmehr, dass Niki de Saint Phalle letztenendes durch die Schadstoffe in ihren Arbeitsmaterialien so früh und qualvoll starb.

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