Anna Heringer ist die junge Seele des internationalen Massivlehmbaus. Sie baut mit Lehm nachhaltig, konstruktiv, plastisch, ästhetisch und nicht zuletzt partizipativ. Ihre Arbeiten waren auch in der Ausstellung „Think global, build social!“ im Deutschen Architekturmuseum und im Architekturzentrum Wien zu sehen.

Lehm begeistert Heringer, weil man mit ihm in den eigentlichen Kontakt mit der Energie käme, die ebenso Bauen bedeutet, wie die Verantwortung für ein schönes Gebäude und ein Umfeld. „Architektur ist für mich ein Werkzeug um Lebensbedingungen zu verbessern“, sagt sie 2012 bei Architect@Work. „Die größte Herausforderung für uns Architekten und Planer ist es, […] nachhaltig sorgsam mit den Ressourcen umzugehen und eine kulturelle Vielfalt zu stärken. Das Bauen mit Lehm wird ein wichtiges Element sein, dieses Ziel zu erreichen. Für mich persönlich ist Lehm zudem ein wunderschöner Baustoff, sinnlich, archaisch, mit einer unzähligen Vielfalt an Ausdrucksnuancen, der beweist, dass Nachhaltigkeit letztendlich ein Synonym für Schönheit ist.“

Ihr erstes Projekt, die METI- Schule, ist aus Wellerlehm. Das farbenfrohe Haus ist international sehr angesehen und erhielt viele Preise wie 2007 den Aga Kahn Architektur-Preis. „Die Schule ist aus einem tiefen Verständnis des lokalen Materials und einer herzlichen Beziehung zu der lokalen Gemeinschaft entstanden“, lobt die Jury. „Ihre Konstruktion drückt auf besondere Weise Nachhaltigkeit aus. […] Der Ansatz lässt ein neues Design aus einer vertieften Kenntnis des lokalen Kontextes und der Bauweise entstehen. Er ist ein neues und hoffnungsvolles Vorbild für nachhaltiges Bauen weltweit. […] Das Gebäude erzeugt wunderschöne, bedeutungsvolle und menschliche Gemeinschaftsräume um zu Lernen. Damit bereichert er das Leben der Kinder, denen er dient.“ Heringers Partner bei dem Schulprojekt ist Eike Roswag von zrs-Architekten. Er ist verantwortlich für die technische Planung. Emmanuel Heringer hat die Knotenverbindugen der einmalig schönen Bambuskonstruktion aus der Pfadfindertechnik heraus entwickelt.
Bei ihrem nächsten Projekt fokussierte die Architektin zudem, Arbeiter zu Wellerlehm- und Bambus-Fachkräften auszubilden. Am Ende erhielten sie ein Zertifikat, auf das sie stolz waren. Nachdem Heringer realisierte, dass es weder genügt, gute Architektur zu machen, noch Handwerker auszubilden, visierte sie mit ihrem nächsten Projekt Planer an. Bei ihrem vielschichtigen Schulbau in Pakistan arbeiteten Architekturstudenten zum ersten mal vor Ort auf einer Baustelle. Die Studenten entwarfen zudem kleine, verdichte Häuser um die Zersiedlung zu verlangsamen. So entwickelt Heringer ihre Arbeit und ihre Projekt kontinuierlich weiter und nähert sich in ihren Entwürfen einer Stadtlandschaft, wie sie die Baubiologen verstehen. Zudem veranstaltet sie Workshops, denn ihr liegt das Machen, das Tun. Nach getaner Arbeit kommen alle zusammen um zu Reflektieren. Dabei geht es durchaus lustig zu. Sie scherzt: „Es könnte weniger mit Lehm gebaut werden.“