Den Gegnern die Steine des Anstoßes.

Bei Stuttgart 21 geht so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Der unabhängige Journalist Josef-Otto Freudenreich weiß warum und zeigt kenntnisreich den Filz aus Wirtschaft und Politik.

Ökonomisch scheint S21 ein Fass ohne Boden zu sein. Die Projektökonomie ist desaströs: inzwischen wird in manchen Kreisen von 9 Milliarden Euro für das gesamte Projekt aus Bahnhof und Hochgeschwindigkeitstrasse gesprochen. Peu a peu erhöhten sich die Kosten von anfangs weniger als 3 Milliarden auf heute schon offiziell über 7 (Stuttgarter Zeitung, 25. Aug 10). Die Stuttgarter Polizei alleine hat bis zum Baubeginn fast 1,5 Millionen mehr Personalausgaben. Dass dabei die Lebenszykluskosten der Gebäude aus dem Blickfeld geraten ist nur ein Kollateralschaden.

Ökologisch kann ein Projekt dieser Größenordnung nur schwer sein. 465 000 m² Geschossfläche sollen auf 16 ha entstehen! Den Stuttgarter Kessel erwartet so mancher Verkehrsinfarkt. Zynisch zu sagen, dass unter dem monatelangen Lärm der Pfahlgründung nur die direkten Anwohner leiden werden. Und schließlich warnen Geologen wie Dr. Hermann Behmel schon seit Jahrzehnten vor der einschneidenden Bahntrasse nach Ulm.

Sozial: Eine funktionierende Stadt wird unterschiedlich genutzt, sonst wäre sie ein Getto! Davon ist Stuttgart 21 nicht weit entfernt: „Von den einmal in Aussicht gestellten, aber nie verbindlich festgelegten Wohnflächenanteil von 20 %  ist man so oder so weit entfernt“, stellt der renommierte Architekturkritiker Christian Holl in der Deutschen Bauzeitung fest. Obwohl für die Gestaltung namhafte Architekten, wie etwa Boris Podrecca verantwortlich sind liegt auch dort einiges im Argen. Der öffentliche Raum ist „zu zugig, offen und beziehungslos“, urteilt Christian Holl. „Der einsame Flaneur schreitet, vom Bahnhof kommend, durch ein Portal hinaus in die Ödnis rund um die neue Stadtbibliothek. … Statt vom Leitbild einer europäischen Stadt zu sprechen, muss man ein Scheitern konstatieren.“ Nicht nur deshalb hat das Projekt den Rückhalt in der Bevölkerung endgültig verspielt. Genug Bürger, die sich für dieses Thema engagieren gibt es. Die Resonanz des Protests ist schon zu Baubeginn bundesweit.

Anstatt Werbeagenturen zu beauftragen hätte der vorhandene Gestaltungswille der Kritiker fruchtbar gemacht werden sollen. Peter Hübner beendet sein Plädoyer “Bürgerbeteiligung ist machbar!” in der Stuttgarter Zeitung: “Die gesellschaftliche Mitbeteiligung an der Gestaltung der Stadt ist keine Utopie.”

Informationen und Bilder:
Netzwerk engagierter Fotografen – bewegend, kreativ, schön
Bei der Infoofensive gibt es gut recherchierte Daten zu S21 und K21
Die Gewinner – investigativ durchleuchtet
Fundierte Planungstheoretische Auseinandersetzung von Prof. Dr. Wolf Reuter
motivierenden Newsletter bestellen: mail (at) sabine-weissinger.de

Aktiv werden:
www.parkschuetzer.de
www.stuttgarterappell.de
www.kopfbahnhof-21.de

Ein kritischer Stadtplaner am 6. Okt. 2010: Offener Brief zur Wiedererlangung der Gesprächsfähigkeit

Damit unsere Städte nicht verkommen: zu geplanten Retorten, zu unwirtlichen Räumen des schnellen Konsums und zu unkommunikativen Orten der Repräsentation.

Artikel überarbeitet:5.11.2010

5 Antworten to “Stadtplanung: Stuttgart 21 – Nachhaltige Stadtplanung sieht anders aus!”

  1. Achim Pilz sagt:

    Artikel in der Zeitung einundzwanzig 9/11 über die mangelhafte Barrierefreiheit von S21 sowie Ankündigung von Staatsrätin für Zivilgesellschaft
    und Bürgerbetreiligung Gisela Erler: http://www.bau-satz.net/pdf/einundzwanzig Barrierefreiheit.pdf

  2. Achim Pilz sagt:

    Vorsicht heiß und lustig. Video zur Wahl Nov. 2011. Auch danach noch sehenswert:

  3. Achim Pilz sagt:

    Die Abstimmung kommt.
    Gute Argumente für JA:
    http://www.mitjastimmen.de/bahn/s21-film/home?panel=1

  4. Achim Pilz sagt:

    ein aktuelles Interview mit Bahnexperte Prof. Karl-Dieter Bodack: http://www.interview-mit-bahnexperte-bodack-zu-stuttgart-21.de/ vom erneuerbar engagierten Julian Aicher, der sich vom S21-Saulus zum K21-Paulus entwickelte.

  5. nora diemand sagt:

    Politische Initiativen,-stark genug,um Ungerechtigkeiten zu beseitigen-könnten die Menschen glücklich machen,denn jeder weiss,dass in unserer Gesellschaft die Menschen alle Verantwortung an die Politiker abgegeben haben.Politiker übernehmen niemals Verantwortung für Gier,Unehrlichkeit und Ausbeutung.Heisst die Losung unserer Zeit Freiheit ohne Verantwortung?Eine Stadt ist dazu verurteilt sich zu verändern.Ja,der wahre Wert des Allgemeinguts Natur,einer Stadt, muss zur Richtschnur privaten Handelns
    werden.warum werden die Dienstleistungen der Natur eigentlich nicht in Rechnung gestellt?
    (es gibt interessannte Ansätze von Prof Dr Robert Cconstanza,International Society for Ecological
    Economics,University Vermont.

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