Niki de Saint Phalle gehört zweifellos zu den wichtigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Weitere gute Gründe, sie hier vorzustellen: Sie hat sich intensiv mit Innen- und Außenräumen auseinander gesetzt; ihr Magier im Garten des Tarot nahm eindeutig Stellung zu Energiefragen; bei ihr kann man sich in weibliche Rundungen begeben, die das eigene Bild in tausend Facetten spiegeln.

Wer nicht nach Italien gehen kann, um den Garten des Tarot anzusehen, findet sie auch in Süddeutschland. Die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall zeigt in einer großen Überblicksausstellung das weit gespannte Werk der vielseitigen Künstlerin. Mit ihren Gemälden, Gärten, Assemblagen, Schießbildern, Skulpturen und fantastischen Architekturprojekten hat sie weltweit Anerkennung erhalten.

weitere Daten der Ausstellung

Die 1930 in Neuilly-sur-Seine/Paris geborene und 2002 im kalifornischen San Diego an einer Polyestervergiftung gestorbene Künstlerin hat in prägender Art und Weise die femininen Eigenschaften der Kunst ihrer Zeit zelebriert und gestaltet. Wie kaum jemand zuvor hat Niki de Saint Phalle der urwüchsigen Kraft der Weiblichkeit einen gültigen Ausdruck verliehen – ihr gelang dies insbesondere mit ihren Nanas.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Würth vermittelt einen umfassenden Blick auf ihr Schaffen – vom malerischen Frühwerk bis zu den späten Skulpturen. Spiel mit mir, der Titel sowohl der Ausstellung als auch eines ihrer ersten Bilder, richtet sich dabei auch an den Betrachter. Es ist ein Appell an die Kreativität des Einzelnen, eine Einladung, es auch zu versuchen und an der unbändigen Lebensfreude der Künstlerin teilzuhaben. Diese zeigt sich in allen Werkphasen. In ihrem Werk vereint sich ihr Interesse für die Ursprünglichkeit des Lebens mit eigenen Erfahrungen. Von der Erfüllung durch das Spiel bis zu ihrem Missbrauch

Niki de Saint Phalle lässt sich in keine Schublade stecken und schreckt auch vor Widersprüchlichkeiten nicht zurück. Ob sie sich in das Tarot oder die indianische Kultur vertieft, ob sie subjektive Erlebnisse, etwa aus ihren Kindheitserinnerungen, als Quelle wählt – alles fließt unmittelbar in ihre Kunst ein und berührt ein weites gestalterisches Spektrum. Malerei, Zeichnung und Grafik, die kolossale und auch miniaturhafte Skulptur, Reliefs, Gärten wie auch Bücher, Briefe und schriftliche Aufzeichnungen bis hin zu Filmen bilden einen einzigartigen Kosmos – und die Essenz ihres Schaffens.

Die von Guido Magnaguagno, dem ehemaligen Direktor des Museum Tinguely in Basel, kuratierte Schau mit über 150 Werken stützt sich auf  zahlreiche private und öffentliche Werke. Sie wird zudem durch exemplarische Werke ihres langjährigen Begleiters Jean Tinguely ergänzt wie auch durch Bilder ihres ersten Lehrers, des weithin unbekannt gebliebenen Hugh Weiss. Die Präsentation intergriert auch das Filmschaffen der Künstlerin, das ihre Traumwelten wie ihre Auseinandersetzung mit dem Patriarchat veranschaulicht.

Blogartikel zu “Garten des Tarot

Eine Antwort hinterlassen

(erforderlich)

(erforderlich)

Comment Spam Protection by WP-SpamFree