Tagung des Internationalen Sachverständigen Kreises
14. und 15. Oktober 2011 in Thun/Schweiz

Bauinformationen aus erster Hand: herrliche Schadensbilder mit Ursachenforschung. Hochgradige Spezialisten und erfahrene Sachverständige vermitteln ihre spannenden Einsichten. 16 hochkarätige Referenten reden Tacheles. Zukunftsfähige Themen behandeln die ersten beiden und der letzte der Vorträge: Die spektakuläre neue Monte Rosa Hütte, SELF – das autarke Raummodul und Peak Oil. Weitere Themen sind Rissbildungen in Putzen, Innenwärmedämmung, Glattputz, Luftdichtigkeit sowie WDVS in vielen Blickwinkeln – von Schadensfällen über die Schlagregendichtheit bis zu Anschlüssen. Interessant nicht zuletzt die Bekleidung von Holz-Beton-Verbunddecken und der Brandschutz im Altbau.

Energieautark

Die einleitende Diskussionsrunde am ersten Abend moderierte Michael Hladik. Zum Thema Preisminderung, Minderwert und hinzunehmende Mängel meldeten sich viele der Gäste zu Wort. In den beiden darauf folgenden Tagen steckten drei Vorträge den Rahmen der aktuellen Entwicklungen am Bau ab: Zwei quasi energieautarke Gebäude – die spektakuläre neue Monte Rosa Hütte und SELF – das Raummodul der schweizer eidgenössischen Materialprüfungsanstalt Empa. Sie wiesen den Weg, der zumindest vor den zukünftigen Neubauten liegt: Sorgsamer Umgang mit den Ressourcen durch intelligente Lösungen. Intelligent kann auch die Kombination altbewährter und innovativer Techniken sein. So ist bei der Monte Rosa Hütte etwa der Treppenraum als großer Luftkollektor ausgebildet. Am Schluss der Tagung wies der aufrüttelnde Vortrag „Peak Oil – der globale Kampf um das Erdöl“ noch mal darauf hin, wie ausserordentlich knapp Erdöl ist, das die letzten Generationen so reichhaltig verbrauchten. Aus diesem Grund beschäftigten sich viele Referate mit dem Thema Wärmedämmung.

Dämmung innen und aussen

Vorträge gab es sowohl zu Innenwärmedämmung, als auch zu WDVS in vielen Blickwinkeln – von Schadensfällen über die Schlagregendichtheit bis zu Anschlüssen. Walter Schläpfer vom SMGV moderierte die ersten Beiträge. Er wies darauf hin, dass Innenwärmedämmung ein interessanter Sanierungsmarkt ist und stellte den Referenten zum Thema vor. Dr.-Ing. Anatol Worch, u.a. Leiter der AG Innendämmung im Bestand der WTA warnte, dass die Innendämmung einer Einheit in einem Mehrfamilienhaus einen Bauschaden beim Nachbarn provozieren kann, für den der ausführende Fachunternehmer mit haftbar gemacht wird. Der Link zu einer Zusammenfassung seines anschaulichen Vortrags.

WDVS auf Holz

Über „Wärmedämmverbundsysteme im Holzhausbau“ referierte Sylvia Polleres, Bereichsleiterin Holzhausbau bei der Holzforschung Austria. Ihr Vortrag provozierte die meisten Fragen. Markus Weissert vom Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade etwa riet, bei zu verputzendem WDVS auf Holzbau, grundsätzlich Bedenken anzumelden. Denn die Ausführung des Vorgewerks sei nicht abzuschätzen. Bei der Vorfertigung im Werk wird genagelt und geklammert und das sei vom ausführenden Handwerker nicht zu bewerten. Er fragte weiter, ob diese Bauweise berufsgerecht sei. Eine spannende Frage, da alleine in Österreich jährlich 750.000 m² Fassade von Holzhäusern ein WDVS erhalten.

Neue Richtlinie

Bei seinem Vortrag fragte Michael Hladik „Hat ein WDVS luftdicht zu sein?“. Und beantwortete die Frage mit einem klaren Nein. Die Luftdichtigkeit sei an der Innenseite der Gebäudehülle zu gewährleisten. Er belegt, dass im Neubau Kanäle hinter WDVS entstehen können, besonders, wenn der Kleber so aufgetragen wurde, dass er nicht in die Fugen geraten kann. Durch die Kanäle steigt die Luft hoch – ev. bis an die Kühlrippe Dach. Dabei führe eine nur Punkt-Verklebung nicht automatisch zu Schäden. Wichtig sei, 40 % der Fläche zu verkleben, auch wenn mancher Hersteller weniger forderte. Nach einer aktualisierten Richtlinie ist deshalb die vorletzte Plattenreihe ganzflächig zu verkleben, nicht wie bisher die oberste, was schwierig zu verarbeiten sei.

Schlagregendichtheit

Daniel Zirkelbach vom Fraunhofer IBP Holzkirchen wies in seinem Vortrag über Schlagregendichtheit darauf hin, dass Leckagen bei WDVS nie ausgeschlossen werden können. Kritische Positionen für Schäden liegen unter den Fensteranschlüssen. Nach dem neuen amerikanischen ASHRAE Standard 160 müssen sowohl die Fugen gut abgedichtet werden als auch das System rücktrocknen können. Ein WDVS ist dann feuchtetolerant, wenn höchstens 1 % des Schlagregens eindringt und dieser auch wieder austrocknen kann. Ist der Untergrund feuchteempfindlich, wie beim Holzbau, so sei eine diffusionsfähige Dämmung robuster.

Luftdichte Bauweise

Peter Tappler brach in seinem Vortrag «Luftdichte Bauweise und Lüftungsanforderungen» eine Lanze für sorptive Baumaterialien – Materialien, die in der Lage sind, Feuchtigkeit zu puffern. Interessante Themen waren nicht zuletzt Luftdichtigkeit, die Bekleidung von Holz-Beton-Verbunddecken und der Brandschutz im Altbau, aber auch Rissbildungen in Putzen sowie Glattputz, die besonders intensiv diskutiert wurden. Vertiefendes zu dem Thema kann im Tagungsband nachgelesen werden. Außerhalb des Programms gab es einen zusätzlichen Vortrag über einen neuen Dämmputz mit Aerogel, der seit 2009 von der EMPA entwickelt wird. Er kann als nahtloser Sanierputz sowohl innen wie auch außen eingesetzt werden und wird ab nächstem Jahr getestet. So bot die Veranstaltung neben Einblicken in die aktuellen Herausforderungen der Baubranche auch Ausblicke. Sie war nicht zuletzt dank der guten Moderation der drei ISK-Mitglieder Walter Schläpfer, Markus Weissert und Michael Hladik ein großer Erfolg.

Buchtipp: Der Tagungsband zur ISK 2011, „Brennpunkte in Ausbau & Fassade“, Fraunhofer IRB Verlag, ISBN 978-3-8167-8550-7.

Berichte über vergangene ISK-Baufachtagungen

2008: Diskussion über Dämmen

2006: Oberflächen

5 Antworten to “Internationale Sachverständigen- und Baufachtagung in Thun”

  1. Achim Pilz sagt:

    Zusammenfassung unter: http://www.bau-satz.net/pdf/applica_11_11.pdf

  2. Achim Pilz sagt:

    Außerhalb des Programms gab es einen zusätzlichen Vortrag über einen neuen Dämmputz mit Aerogel, der seit 2009 von der Empa entwickelt wird. Er kann als hoch dämmender, nahtloser Sanierputz sowohl innen wie auch außen eingesetzt werden und wird ab 2012 getestet.

  3. Achim Pilz sagt:

    WDVS auf Holz
    Über „Wärmedämmverbundsysteme im Holzhausbau“ referierte Sylvia Polleres, Bereichsleiterin Holzhausbau bei der Holzforschung Austria. Ihr Vortrag provozierte die meisten Fragen. Markus Weissert vom Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade etwa riet, bei zu verputzendem WDVS auf Holzbau, grundsätzlich Bedenken anzumelden. Denn die Ausführung des Vorgewerks sei nicht abzuschätzen. Bei der Vorfertigung im Werk wird genagelt und geklammert und das sei vom ausführenden Handwerker nicht zu bewerten. Er fragte weiter, ob diese Bauweise berufsgerecht sei. Eine spannende Frage, da alleine in Österreich jährlich 750.000 m² Fassade von Holzhäusern ein WDVS erhalten.

  4. Achim Pilz sagt:

    Dr.-Ing. Anatol Worch, u.a. Leiter der AG Innendämmung im Bestand der WTA stellte Bauschäden bei der Sanierung vor und seine Forschungen zu den Ursachen. In seinem Vortrag „Innenwärmedämmung – wie löst man die Wärmebrückenproblematik“ warf er die Frage auf, ob nicht eine maßvolle energetische Sanierung die bessere Alternative sei. Beifall gab es für seine Bemerkung: „Ich nehme mir die Freiheit, ein Bestandsgebäude unabhängig von der EnEv energetisch zu sanieren. 4 – 6 cm Wärmedämmung sind sinnvoller, als den entsprechenden U-Wert einhalten zu wollen.“

  5. Achim Pilz sagt:

    Am herbstlich bunten Thuner See war die ISK Baufachtagung ein großer Erfolg. Über 260 Experten trafen sich, um 16 hochkarätige Referate von erfahrenen Sachverständigen und ausgewiesenen Spezialisten zu hören. Über die vorgestellten Schäden und Ursachenforschung wurde angeregt diskutiert.

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