Conran, Terence: ÖKO Wohnbuch. Knesebeck, 2010, 272 S., 49,95 Euro

Endlich ein Buch, das nachhaltiges Bauen und modernes Design verbindet. Lustvoll soll dieses Öko-Design sein: „Ich bin immer optimistisch gewesen, in Bezug auf die Rolle, die Design bei der Verbesserung der Lebensqualität spielen kann“, schließt Terence Conran seine Einführung. Er hat schon viele Bücher zu einer modernen Lebensraumgestaltung geschrieben. Und mit diesem Buch bedient er eine steigende Nachfrage.

Ökologisch korrekt
Das Cover empfängt die tastenden Hände mit grauer und brauner Pappe – ökologisch korrekt ungebleicht. Das matte Erscheinen von Recyclingpapier wird auch innen nachgestellt. Schöne, großzügig bebilderte Projekte begeistern auf den ersten Blick. Etwa ein Wohnhaus von Marsh Architekten, das wirklich innovativ ökologisch ist. Beim zweiten Blick fragt man sich, was ein Fertighaus mit schillernder Wellblechfassade, das wie ein eckiges Ufo im Niemandsland gelandet ist, dort macht? Verkehr erzeugen? Werbung für die Idee des nachhaltigen Bauens? Daran krankt das Buch, dass es fast nur große, technisch aktuell ausgestattete Häuser, in paradiesischer Alleinlage zeigt. Dass Öko auch „Einfälle statt Abfälle“ heißt, daran erinnert das sonst informative und umfassende Werk nur manchmal.

Gut strukturiert
Das erste Kapitel umfasst die verschiedenen Aspekte der Haustechnik und lenkt den Fokus auf die beiden wichtigen Kriterien CO2-Fußabdruck und Wasser. Zum Aspekt Energie gibt es das Übliche: Sparen. Zum Aspekt Heizen sind Aufzählungen von Pro und Kontra der verschiedenen Heizsysteme positiv zu bewerten, auch wenn hier vorsichtig formuliert wird. Als kontra werden etwa die Baugenehmigungen für PV und Solarthermie erwähnt. Die Frage, ob ein Blockheizkraftwerk (BHKW) für eine kleine Einheit effizient arbeitet, wird gar nicht gestellt. Später wird allerdings ein Einfamilienhaus mit BHKW vorgestellt.
Die Dämmstoffsteckbriefe beginnen mit besser isolierenden aber unökologischen Dämmstoffen: EPS, XPS, PUR was einleitend auch erklärt wird. An dieser Stelle fehlen die momentan aufkommende Strohdämmung sowie Kork und Holzfaser. Auch Raumklima und Raumluftfeuchtigkeit hätten hier beschrieben werden können. Denn diese soll die Haustechnik ja optimieren. Die Aspekte Kühlen, Beleuchten und Wasser runden dieses Kapitel ab.

Oberflächlich
Das Kapitel Raumausstattung führt die ästhetische Gliederung weiter. Fenster, Fußböden werden gängig und mit schönen Bildern vorgestellt. Die knappe Beschreibung von Beton spricht an, dass er ein gutes thermisches Speichervermögen hat, was auf jeden Fall wichtig für die Wohnqualität ist. Fragwürdig erscheint das große Lob dieses Baustoffs. Auch Natur-, Backstein oder Lehm haben eine hervorragende Speichervermögen, sind aber ökologischer. Sie werden mit weniger Energieaufwand erzeugt und beinhalten sicher keine Reststoffe wie von Altreifenverbrennung.
Auch Putze werden eher oberflächlich behandelt. Gipsputz und noch mehr Gipskarton soll besonders ökologisch sein. Der ökologisch schönste Kalkputz Tadelakt erscheint erst gar nicht. Lieber Terence Conran – das geht besser. Ich drücke die Daumen, dass es eine weitere, überarbeitete Auflage gibt.

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